Wir erklären, was ein Design Sprint ist: Ein Design Sprint ist ein 4- oder 5-tägiger Prozess zur schnellen Lösung großer Herausforderungen, zur Entwicklung neuer oder zur Verbesserung bestehender Produkte. So lässt sich monatelange Arbeit auf wenige Tage komprimieren..

Dies erreicht man durch die Erstellung von Prototypen und durch das Testen von Ideen mit Probanden. Ein schneller Weg, um große Probleme zu lösen, die ein Unternehmen hat, ohne dabei große zeitliche Verpflichtungen einzugehen.

Design Sprint kurz erklärt

Entwickelt wurde der Design Sprint bei Google Ventures. Bekanntheit erlangte der Prozess 2016 durch das Buch „Sprint“ von Jake Knapp, John Zeratsky und Brad Kowitz.

Mit einem Design Sprint lässt sich Zeit und Geld sparen. In 4 (oder 5) Tagen lassen sich Herausforderungen lösen und Ideen testen.

Vielleicht kennen Sie das: Man steht vor großen Herausforderungen, möchte neue Ideen testen und kommt aber nicht so wirklich voran.

Beim Brainstorming-Meeting in der Validierungsphase treffen viele Ideen und Meinungen aufeinander. Es wird lange diskutiert, vielleicht werden faule Kompromisse geschlossen und man beginnt anschließend mit der Umsetzung.

Im besten Fall wird dabei noch ein MVP (Minimum Viable Product) gebaut. Aber selbst das zieht sich über Monate hin. Und hat man das Produkt dann endlich auf dem Markt eingeführt, stellt man fest, dass man ein wenig am Kunden vorbei entwickelt hat. Mit den neu gewonnen Erkenntnissen geht man dann wieder in die Entwicklung.

Eigentlich ist das ja kein schlechter Prozess getreu dem Motto Build – Measure – Learn.

Allerdings geht insbesondere bei der Build- und Launchphase viel Zeit verloren. Selbst der Bau eines MVPs ist für viele Unternehmen eine risikobehaftete Investition.

Mit einem Design Sprints lässt sich genau dieser ressourcenaufwändige Teil überspringen. Mit Hilfe eines Prototypen geht man direkt in die Validierung. So lässt sich die Zukunft vorspulen. Die Reaktionen der Kunden auf das Produkt lassen sich direkt einfangen, bevor man teure Verpflichtungen eingeht.

Design Sprint Circle

So können Sie direkt in die Zukunft springen, um Ihr fertiges Produkt und die Reaktionen der Probanden zu sehen, bevor Sie teure Verpflichtungen eingehen.

Design Sprint 1.0 vs 2.0

Der Design Sprint in Version 1.0, wie er noch im Sprint-Buch beschrieben wird, ist ein fünftägiger Prozess. Da es sich in der Praxis – insbesondere bei großen Firmen – oftmals als schwierig erwiesen hat, das Sprint-Team für eine komplette Woche aus dem Arbeitsalltag rauszunehmen, wurde der Prozess etwas gestrafft.

Die ersten drei Sprint-Tage wurden hierzu durch moderative Tools auf zwei Tage verkürzt werden. Die beiden letzten kritischen Tage (Prototyping und Testing) bleiben zeitlich unverändert.

Insbesondere beim Prototyping ist es aber nicht mehr erforderlich, dass das komplette Team anwesend ist. Hier genügt es, wenn ein kleineres, auf Prototyping spezialisiertes und mit dem Sprint vertrautes Team an der Umsetzung des Prototypen arbeitet.

Während es sich in der Praxis als einfacher erwiesen hat, einen Design Sprint in der Version 2.0 durchzuführen, heißt dies nicht, dass ein Design Sprint 2.0 besser oder schlechter ist.

Ist die Aufgabenstellung etwa besonders komplex oder hat das Team noch wenig bis keine Erfahrung mit einem Design Sprint, kann es Sinn machen, sich den zusätzlichen Tag zu nehmen. Mit einem erfahrenen Sprintmoderator kommt aber auch ein unerfahrenes Team gut mit einem Design Sprint 2.0 zurecht.

Am Ende entscheidet die Zeit: Denn während beim Design Sprint 1.0 jedes Teammitglied ungefähr 35 Stunden im Einsatz ist, sind bei V2.0 lediglich ca. 12 bis 17 Stunden erforderlich

Design Sprint V 2.0 Ablauf

Am Montag kümmern wir uns zuerst um ein gemeinsames Problemverständnis: Wir laden Experten ein und teilen unser Wissen möglichst transparent im Team. Selbst „offensichtliches“ Wissen kommt auf den Tisch, um wirklich jeden im Team abzuholen. Denn das Verständnis ist oftmals nur in den einzelnen Köpfen im Team verteilt.

Sobald wir ein gemeinsames Verständnis erreicht haben, entwickeln wir Ideen. Jeder hat die Gelegenheit, seine Ideen zu visualisieren und mit dem Team zu teilen. So haben wir am Ende von Tag 1 bereits Lösungsmöglichkeiten entwickelt.

Zu Beginn von Tag 2 legen wir uns auf eine favorisierte Idee fest und führen diese den ganzen Tag über zu einer für das Anwendungsszenario möglichst ausgereiften Lösung in Form eines Storyboard – die Grundlage für den Prototypen.

Mittwoch, der dritte Tag, gehört dem Prototyping. Kopfhörer auf, Kapuzenpulli rüberziehen, Vollgas. Wir erstellen einen Prototypen, der die guten Ideen und spannenden Hypothesen in eine Form gießt.

Heute zählt es: Donnerstag. Der vierte und letzte Tag. Wir zeigen wir unseren Prototypen fünf ausgewählten Probanden. Wir erfahren durch unmittelbares Feedback, ob unsere Ideen Bestand haben – oder eben nicht.

Wann ist ein Design Sprint das richtige Tool?

Ein Design Sprint lässt sich in drei Szenarien anwenden

  1. Sie haben eine große Herausforderungen, die Sie schnell lösen müssen
  2. Es gibt eine komplett neue Produktidee
  3. Ein bestehendes Produkt soll verbessert werden

Führen Sie sich dabei auch immer folgende Situation vor Augen: Nehmen wir an, wir würden die Lösungsidee für eines der drei obigen Szenarien direkt konzipieren, entwickeln und in den Markt geben, ohne sie vorher Probanden gezeigt zu haben. Jetzt schlägt die Lösungsidee fehl, wir stellen fest, dass wir am Markt vorbei entwickelt haben.

Wie groß ist die Auswirkung dieses Scheiterns für Ihr Unternehmen?

Ist die Auswirkung eher gering, haben wir auch kein großes Projektrisiko. Hier gibt es andere Methoden, die sich besser für eine Ideenvalidierung eignen.

Ist die Auswirkung des Scheiterns für Ihr Unternehmen aber mittel bis hoch, sollten Sie einen Design Sprint in Erwägung ziehen. Die Risiken lassen sich so vorab schon spürbar eingrenzen.

Wie sieht eine Sprint-Challenge aus?

Egal ob sie eine Herausforderung lösen müssen, eine komplett neue Produktidee haben oder ein bestehendes Produkt verbessern. Eines sollten alle Design Sprints gemeinsam haben: Eine gut ausgewählte Sprint-Challenge.

Eine Sprint-Challenge sollte so gewählt werden, dass sie nicht zu eng, aber auch nicht zu weit gefasst ist.

Nehmen wir an, wir wollen folgendes Problem lösen: „Meine Außendienstmitarbeiter reichen ihre Monatsabrechnungen immer zu spät ein“

Zu eng gefasst wäre hierbei die Challenge „Wie können wir eine Smartphone-App nutzen, um den Prozess zu beschleunigen?“. Hier wird eine Lösung (Smartphone-App) schon vorgegeben. Gegebenenfalls gibt es aber auch bessere Lösungen, für die es gar keine App benötigt?

Die Sprint-Challenge „Wie können wir Mitarbeiter dazu bewegen Deadlines einzuhalten?“ hingegen ist viel zu weit gefasst. Das spezifische Problem der Monatsabrechnung ist nicht benannt. Deadlines könnten auch Projekte jeglicher Art betreffen.

Besser geeignet ist dagegen folgende Sprint-Challenge: „Wie können wir unseren Monatsabrechnungs-Prozess so vereinfachen, damit ihn Mitarbeiter schneller abschließen können?“

Das Problem (Monatsabrechnungs-Prozess vereinfachen) ist konkret benannt, das Ziel bestimmt (schneller abschließen) und die Challenge beinhaltet keine konkrete Lösung (Smartphone-App).